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SACER SANGUIS II - Die Rückkehr
Kapitel 04


London, zwei Wochen später:

„Ob Goliath wohl alleine klarkommt?“, fragte David sich leise. Er ging nochmals seine generalstabsmäßig geplante Checkliste durch, bei der jeder Punkt mittlerweile vier Häkchen hatte. Während David Webcam Nummer acht einem finalen Funktionscheck unterzog, meinte er Goliaths traurigen Blick in seinem Rücken spüren zu können. Er drehte sich um und blickte auf ein Paar tiefschwarze Kulleraugen hinunter. „Keine Sorge“, beruhigte David. „Es gibt keinen Raum im Haus und keinen Platz im Garten, wo ich dich nicht mit den Webcams sehe.“ David griff zu seinem Handy und hielt es dem glänzenden Augenpaar entgegen. „Siehst du, meine Software erkennt automatisch, wo du dich befindest und liefert mir das Bild der entsprechenden Kamera per Knopfdruck auf mein Handy. Ein Anruf bei Ms. Furgerson und zwei Minuten später ist sie bei dir.“ Goliath schien beim Namen von Davids Nachbarin kurz zusammenzuzucken. David lachte: „Kopf hoch! Wir holen sie ja nur im Notfall, wenn die Elektronik versagt, und wir beide wissen, dass das nicht der Fall sein wird.“

„David!“, hörte er Nataschas Stimme aus dem Erdgeschoss. „Willst du mir nicht endlich mit den Koffern helfen?“

„Komme schon!“, rief David hinunter und beugte sich zu Goliath. „Na, dann pass mir gut auf unser Haus auf, mein Riese.“ Goliath hob zustimmend das rechte Ohr an, als David ihn zum Abschied auf den Kopf küsste.

„Wie lange willst du dich denn noch von diesem Tier verabschieden?“, herrschte ihn Natascha an, als er nach unten kam. „Goliath ist sehr sensibel“, rechtfertigte sich David.

„Du hast in den letzten zwei Wochen unser gesamtes Haus in eine Festung mit Infrarotkameras und Sensoren umgebaut, nur weil wir für drei Tage nach Wien fahren. Meinst du nicht, dass es gereicht hätte, zwei Schüsseln mit Futter und Wasser aufzustellen und Ms. Furgerson den Schlüssel zu geben?“ Nataschas Logik war David nicht verborgen geblieben, er suchte aber bereits seit Wochen nach einem Vorwand, um das Haus sicherer zu machen. Eigentlich war David kein Freund von Kameras, aber jener Parkspaziergang mit Goliath vor zwei Wochen hatte seine Einstellung zu diesem Thema grundlegend verändert.

Gern hätte er Natascha davon erzählt, um sich jemandem anzuvertrauen, aber David wusste, dass er sie damit nicht belasten konnte. Ihre regelmäßigen Besuche in der Selbsthilfegruppe schienen ihren Zustand zwar geringfügig zu verbessern, aber von einer Belastbarkeit mochte David nicht sprechen. Er beschloss daher, jede zusätzliche Aufregung und Verunsicherung von ihr fernzuhalten.

„David?“ Er zuckte zusammen. „Hörst du mir überhaupt zu?“ Natascha streckte ihm einen großen Koffer entgegen, den sie mit beiden Händen nur mühsam anheben konnte. „Wir versäumen unseren Flieger, wenn wir nicht endlich losfahren.“