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SACER SANGUIS II - Die Rückkehr
Kapitel 19


Jordanien:

Geschafft. Chess blickte von der Anhöhe auf eine kleine Siedlung. „Keine schlechte Zeit“, kommentierte sie ihren Blick auf die Uhr.

Trotz des Umwegs, den sie in Kauf genommen hatte, um dem Hubschrauber auszuweichen, war sie früher zur Siedlung gelangt, als sie gedacht hatte. Gefällig schritt sie die Schotterstraße bergab. Sie wusste genau, wie ihre erste Bestellung in der kleinen Bar gleich hinter der Ortseinfahrt lauten würde. Seit Stunden sehnte sie sich nach einem kühlen, schaumigen Bier.

Chess war sich bewusst, dass die ebenso sehnlichst erhoffte Dusche noch warten musste, bis sie wieder daheim war. Das Bier ist schon einmal ein guter Anfang, dachte sie und spürte förmlich, wie es ihre staubige Kehle hinunterfloss.

Obwohl die Vormittagssonne noch lange Schatten warf, war die Siedlung bereits in vor Hitze flimmernde Luft getaucht. Chess meinte, über der Siedlung einen Geier zu sehen, war sich aber angesichts der vom Boden reflektierten Hitze nicht sicher.

Mit jedem Schritt, den sie sich der Siedlung näherte, beschleunigte sich ihr Gang. Dabei verstärkte sich auch das Gefühl, dass der Geier auf sie zuflog.

Die Schritte wichen zunehmend dem Versuch, die erschöpften Beine zum Laufen zu bewegen. Das Pochen des Blutes in ihren Schläfen hatte das näher kommende Motorenbrummen bisher überlagert. Doch jeder weitere Meter, den sie zurücklegte, ließ das Brummen lauter werden, bis sich der vermeintliche Geier schließlich in einen Militärhubschrauber verwandelte.

Erschrocken blieb Chess stehen.

Sie blickte sich um. Die Siedlung war noch knapp einen Kilometer entfernt, sie würde sie unmöglich vor dem Hubschrauber erreichen.

Chess suchte die Gegend nach einem Versteck ab. Die karge Wüste ringsum bot aber keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Jede Sekunde, die du hier stehen bleibst, verschlechtert deine Chancen, schoss es ihr durch den Kopf.

Chess lief auf einen kleinen Felsen zu, den sie übersprang und dahinter Deckung suchte.

Wissend, dass ihr vermeintliches Versteck kaum Sicherheit bot, hoffte sie auf eine Unachtsamkeit des Piloten.

Ihre Augen versuchten eine Kennung auf dem Hubschrauber auszumachen, der genau auf ihre Position zuflog.

Der Helikopter war kaum noch hundert Meter entfernt und wirbelte bereits eine Menge Dreck auf, während die Neigung seiner Rotorblätter ihn immer tiefer sinken ließ. Chess kniff die Augen zusammen und mühte sich, den Überblick zu behalten. Durch den schmalen Spalt gelangte aber mehr herumfliegender Staub als Licht in ihre Augen. Der Hubschrauber setzte nur wenige Meter neben ihr auf dem Wüstenboden auf. Wie ein Schleifpapier fegten die dabei verwehten Sandkörner über ihr Gesicht.

Chess holte die Pistole hervor und zielte, ohne etwas sehen zu können, in die Richtung des Rotorengeräusches.