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SACER SANGUIS MANIAC - Mummy Island
Kapitel 01


„Der Tod ist ein reversibler Prozess...“
Entdeckt auf mehreren Steinblöcken, die das Zentrum einer mysteriösen Kult- und Begräbnisstätte im Pazifik bilden. Form und Tiefe der Felsritzungen legen nahe, dass die einzelnen Symbole der frühen Zeichensprache im Lauf der Jahrtausende immer wieder nachgearbeitet wurden, um die Lesbarkeit zu erhalten. Das könnte auch erklären, warum das genaue Alter trotz moderner Wissenschaft und Technik bis heute heftig umstritten ist.

Es wird angenommen, dass dutzende, wenn nicht sogar deutlich mehr Generationen damit beschäftigt waren, die antike Botschaft nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ob es sich dabei tatsächlich um eine Warnung handelt, wie namhafte Archäologen weltweit vermuten, konnte bislang weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Prolog: Fern von Gott in einer regnerischen Nacht.

Dieses Geräusch! Dieses furchtbare Schmatzen, wenn Fleisch von den Knochen gerissen wird. Ich kann es nicht mehr ertragen! Ich möchte mir die Ohren zuhalten, doch das wäre mein sicherer Tod. Ich werde es niemals von hier weg schaffen. Mummy Island wird mein Grab werden. Kein Grab - sie werden nicht genug von mir übrig lassen.

Was war das? Haben sie mein Versteck entdeckt? Ist das schon das Ende?

Diese Warterei gibt mir den Rest. Warten auf den eigenen Tod!

Sind sie wirklich weg? Soll ich es riskieren, meine Deckung aufzugeben? Erwarten sie das von mir?

Nein! Da!

Sie kommen näher. Näher! Haben sie mich bemerkt? Jetzt bloß keine Panik!

KEINE PANIK! Ich habe nur überlebt, weil ich die Nerven behalten habe. Mir ist so schlecht.

Da drüben!

War da etwas? Ich bin fertig mit den Nerven, komplett fertig. Jagen, töten, fressen: das erfolgreichste Programm der Natur. Nicht einmal an diese einfache Reihenfolge halten sie sich. Bitte lass es schnell gehen, wenn sie mich erwischen. Bitte lass mich nicht so enden wie...

Dort drüben! Ich glaube, sie sind in dem Gebüsch dort drüben. Ich glaube... Vater unser im Himmel... Hör mir zu! Hör mir einfach nur zu. Bitte! Es ist wichtig. Es ist mein Leben. Es ist alles, was ich noch habe!

Ich bin erledigt. Ich bin sowas von fertig mit dieser Welt. Wenn sie mich nicht umbringen, dann schafft es meine Angst. Hoffentlich können sie meine Kotze nicht riechen. Dieser saure Geschmack in meinem Mund - so schmeckt also der Tod. Ich stinke, und das nicht nur, weil ich mir vor Angst längst in die Hose gemacht habe. Aber vielleicht stinke ich für sie gar nicht, vielleicht ist es genau das, was sie anzieht - meine Witterung.

Ich höre sie von allen Seiten. Ihr gieriges Schmatzen. Alle wollen ein Stück von dem Kadaver. Oder von mir.

Nicht weinen! Sogar an meinen Tränen klebt der Geruch des Todes. Bitte Gott, hilf mir. Wenn meine Zeit gekommen ist, lass mich einfach nur die Augen schließen und sterben. Auf der Stelle. Mehr verlange ich gar nicht. Hauptsache, es tut nicht weh. Ein schneller, schmerzloser Tod. Danach können sie mit mir anstellen, was sie wollen. Ist das schon zu viel verlangt? IST DAS SCHON ZU VIEL?

Vergiss es! Vergiss Gott! Betteln hat dir noch nie geholfen. Am Ende bist du immer auf dich selbst gestellt.

Wie lange wollt ihr euer beschissenes Spiel noch mit mir spielen? Ihr seid so krank! Am liebsten würde ich es in die Nacht hinausschreien: Ihr seid kranke Kreaturen aus der Hölle! Aber darauf wartet ihr vermutlich nur. Dass ich einen Fehler mache und euch verrate, wo ich mich verstecke.

Hör auf zu heulen!

Weine ich wirklich, oder ist das der Regen? Dieser verdammte Regen ist an allem schuld - der Regen, die Insel, die Schmetterlinge... Der Tod begleitet mich, seit ich Mummy Island betreten habe.

Schmatzen!

Überall ist es dunkel, überall lauert der Tod. Ich kann sie nicht sehen, aber ich weiß, dass sie da sind. O ja! Ich weiß es. Ich rieche sie. Ihr bestialischer Gestank ist kaum auszuhalten. Verrottetes Fleisch, das der Hölle entstiegen ist und sich jetzt durch die Insel frisst.

Nicht schon wieder losheulen! Reiß dich zusammen! Wenn ich bis Sonnenaufgang durchhalte, habe ich vielleicht eine Chance. Bei Sonnenaufgang kommt das Boot zurück. Das Boot kommt zurück! Dann kann ich hier weg, endlich weg. In einem Stück!

Oh mein Gott, bitte mach, dass ich noch so lange durchhalte.

Mein Herz erträgt das nicht mehr. Ich presse mir die Hand auf die Brust, damit es nicht herausspringt. Es sticht. Es schlägt so laut, dass sie mich hören können. Mein eigenes Blut schreit nach ihnen, bietet sich ihnen an, drängt mich ihnen förmlich auf. Mein Fleisch ist bereit, sich selbst zu opfern.

Bitte! Bitte... Bitte verschont mich!

Wie lange kann es noch dauern, bis die Sonne endlich aufgeht? Minuten? Stunden? Stunden! Ich halte das unmöglich noch so lange durch. Keine Stunde!

Zähl bis zehn! Denk in kleinen Schritten! Zähl bis zehn! Eins... zwei... drei... Zähl weiter! Du musst nur noch ein klein wenig durchhalten. Denk an das Boot. Denk in kleinen Schritten! Vier... fünf... sechs... Nicht so schnell. Einatmen - ausatmen. Sieben... acht...

Ich... Ich kann das nicht. Ich... Ich schaff das einfach nicht.

Da ist es wieder!

Dieses Schmatzen. Dieses schreckliche Geräusch.

„Ruhig, ganz ruhig.“

Ich kannte diese Stimme.

„Alles gut. Sie haben nur geträumt.“ Die Nachtschwester streichelte mir den Kopf.

„Aber wo…?“, stammelte ich schlaftrunken und blinzelte in das Licht des Leuchtstoffbalkens über meinem Bett.

„Ich gebe Ihnen etwas, damit Sie besser schlafen können.“

„Nein!“, versuchte ich noch aufzubegehren, doch es war bereits zu spät. Die Kanüle in meinem Arm fühlte sich kalt an. Die Kälte floss in meine Vene und verteilte sich rasch. Es kribbelte unangenehm. Was jetzt kam, kannte ich zur Genüge. Ich bekam wieder dieses extrem starke Zeug, das sie im Kühlschrank aufbewahren.

„Schlafen Sie jetzt. Dr. Knox wird sich morgen um Sie kümmern. Alles ist gut.“

„Alles ist gut“, murmelte ich ihr nach. „Wer ist Dr. Knox?“, versuchte ich noch zu fragen, aber ich weiß nicht mehr, ob sie mich noch gehört hat.