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SACER SANGUIS MANIAC - Mummy Island
Kapitel 14


Reisevorbereitungen für Mummy Island.

Villa wäre vielleicht übertrieben gewesen, aber ein prächtiges Haus war es allemal, in das Alfons Bedminster geladen hatte. Hohe Räume mit dreigeteilten Doppelflügelfenstern, von denen sich nur die beiden unteren öffnen ließen. Die Möbel waren nicht antik, wirkten aber dennoch außergewöhnlich und auch ein wenig teuer. Über beide Stockwerke verteilt standen mehrere Vitrinen. In einigen davon glänzten ausgesprochen schöne Stücke, wie Ron fand. Auch wenn er von Antiquitäten nicht annähernd so viel verstand wie Alfons Bedminster, für Einbrecher hätte sich ein Besuch sicher gelohnt.

Die kleine Runde hatte sich im Teezimmer versammelt. Bis gerade eben hatte Ron nicht einmal gewusst, dass es solche Zimmer gab. In seiner Wohnung musste sich der Tee mit einem Fach im Küchenschrank begnügen, das er auch noch mit Kaffee und Kaffeefiltern teilte.

Ron saß neben Alfons, der wiederum neben seiner Gattin, Claudia Bedminster, Platz genommen hatte.

Claudia war deutlich jünger als ihr Mann und verdiente das Prädikat sehenswert. Vor allem ihr roter Pagenkopf steigerte den Wiedererkennungswert enorm. Ihr Hintern war ein wenig zu breitgesessen, wie Ron fand, aber davon abgesehen hatte sie eine gute Figur.

Den dreien gegenüber saßen zwei weitere Männer.

Tobi Fisher war nach Ron der Jüngste im Team. Sein blonder Bürstenhaarschnitt mutete etwas militärisch an, aber der Eindruck täuschte. Spätestens auf Kragenhöhe sprangen einem die knallbunten Papageien auf seinem Hawaiihemd ins Auge und jeder Gedanke an Drill und Ordnung war dahin. Tobi gab sich ausgesprochen freundlich und hatte, so Rons Einschätzung, mehr Leidenschaft zum Sammeln als Talent zum Handeln. Dass er einen Ohrring trug, musste nichts bedeuten. Falls aber doch, war es Ron egal, solange Tobi ihm keine Avancen machte.

Neben Tobi saß ein sportlich bis durchtrainiert wirkender Mann, den Bedminster ihnen als Spyridon, einen international tätigen Schmetterlingshändler, vorgestellt hatte. Stechender Blick, Nase wie der Schnabel eines Falken, extrem behaarte Unterarme und schwarzes, gewelltes Haar in Schulterlänge. Ohne seinen Dreitagebart hätte er den perfekten Kellner in einer von Kretas Tavernen abgegeben. Spyridon, der Grieche, war schwer einzuschätzen und sichtlich darauf trainiert, sich nicht in die Karten blicken zu lassen. Im Gegensatz zu Tobi vermutete Ron im Griechen die perfekte Händlerseele.

Als es an der Tür läutete, sprang Claudia auf, noch bevor ihr Gatte Gelegenheit bekam, sie darum zu bitten.

„Das wird der Letzte unserer Runde sein“, erklärte Alfons Bedminster. „Prof. Dehli ist ein wenig rechthaberisch, aber im Grunde seines Herzens ein wirklich netter Kerl. Er hat schon zahlreiche Bücher veröffentlicht und ist einer der leidenschaftlichsten Schmetterlingssammler, die ich bisher kennenlernen durfte. Außerdem ist er ein wandelndes Lexikon und hat zwei Doktortitel. Oder waren es sogar drei?“

„Einen schönen guten Abend!“ Prof. Dehli betrat seine Bühne. Er war ähnlich rund wie Alfons Bedminster, aber doch ein Quäntchen älter. Dehli hatte einen weißen Vollbart und dazu passend einen lichten Haarkranz. „Bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung des Busfahrers. Das nächste Mal werde ich ein Taxi bestellen.“ Seine sonore Stimme klang tatsächlich etwas rechthaberisch.

Alfons Bedminster stellte dem Professor die anderen vor und skizzierte noch einmal den Zweck ihrer Zusammenkunft. Bei der Gelegenheit bat er Ron, den Schmetterling zu präsentieren, der wie erwartet für allgemeine Begeisterung sorgte. Selbst Prof. Dehli fiel es beim Anblick des Eulenfalters schwer, die fachlich korrekte Nüchternheit und die damit verbundene Distanz der Wissenschaft zu wahren.

„Ron hat dieses Prachtstück letzte Woche zufällig entdeckt und mir dankenswerterweise sofort zum Kauf angeboten“, erklärte Bedminster stolz. „Während er damit beschäftigt war herauszufinden, woher der Falter ursprünglich stammt, habe ich dafür gesorgt, dass Sie alle im Boot sind, wenn wir ablegen. Mit jedem von Ihnen habe ich in der Vergangenheit Geschäfte gemacht, gute Geschäfte für beide Seiten.“ Er lächelte freundlich in die Runde. „Keiner von Ihnen hat mich jemals enttäuscht oder versucht, mich übers Ohr zu hauen. Ich betrachte Sie deshalb - ich hoffe, Sie gestatten mir den Ausdruck - als Geschäftsfreunde. Ich weiß, dass unsere Interessen zum Teil sehr unterschiedlich sind, bei manchen Dingen sogar zu weit auseinanderliegen, um darüber sprechen zu können, aber die Leidenschaft für Schmetterlinge teilen wir zum Glück alle. Ich möchte Ihnen und mir deshalb die Gelegenheit geben, gemeinsam auf eine abgelegene Insel zu fahren, um dort meinem liebsten Hobby zu frönen. Sehen Sie das heutige Zusammentreffen daher bitte als Auftakt zu einer noch nie da gewesenen Schmetterlingssafari, zu der ich Sie ganz herzlich einlade.“

„Sie laden uns ein?“, fragte Tobi. „Habe ich Sie da gerade richtig verstanden?“

„Sie haben“, bestätigte Alfons. „Sie alle dürfen sich bei dieser Reise als meine Gäste betrachten. Sehen Sie es bitte als kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.“

„Was er Ihnen verschweigt“, meldete Claudia sich räuspernd zu Wort, „ist, dass unser Steuerberater ihm dringend zu einer Veranstaltung auf Firmenkosten geraten hat.“

„Das auch.“ Alfons lachte. „Aber mal ehrlich, wenn ich schon gezwungen werde, mein sauer verdientes Geld zu verbraten, dann doch zumindest mit Leuten, von denen ich überzeugt bin, dass sie es auch verdient haben.“

„Sie sind sehr großzügig“, merkte Spyridon an.

„Es ist mir fast ein wenig unangenehm.“ Dehli lockerte seinen Krawattenknopf.

„Muss es nicht“, widersprach Alfons. „Entweder wir geben es gemeinsam aus, oder die fette, hässliche Schachtel, die mit dem Finanzminister verheiratet ist, bekommt es.“

„Ich bin schon überzeugt“, sagte Dehli. „Wann soll es losgehen?“

„Übernächste Woche gibt es ein paar Feiertage, die sehr günstig fallen. Ich würde sie gern nutzen, um die Wochenenden davor und danach zu einer Auszeit von zehn Tagen zu dehnen.“

„Passt mir perfekt“, entgegnete Dehli.

„Spyridon, Tobi?“ Alfons sah die beiden nacheinander fragend an.

„Dabei!“ Tobi reagierte wie jemand, der zumindest noch rasch zugesagt haben wollte, bevor er aus dem Traum erwachen musste.

„Ich fühle mich geehrt von dieser Einladung, Alfons“, sagte Spyridon, während seine Hände sich zu einer Geste der Dankbarkeit formten. „Aber sie kommt doch etwas plötzlich. Warum die Eile?“

„Weil wir immer weiter in die Regenzeit geraten, je länger wir uns Zeit lassen. In einem Monat regnet es an unserem Reiseziel schon an vier von drei Tagen“, erklärte Alfons scherzend.

„Als Händler sind so kurzfristige Reisen für mich schwierig.“ Spyridon kratzte mit den Fingernägeln über seine schwarzen Bartstoppeln. „Halten Sie mir den Platz bitte bis morgen frei. Ich muss noch ein paar Anrufe erledigen, bevor ich fest zusagen kann, aber ich denke, es wird sich einrichten lassen. Sie verstehen doch bestimmt, dass ich meine Kundschaft nicht verärgern möchte, indem ich zugesagte Liefertermine platzen lasse.“

Alfons nickte zuversichtlich. Er kannte den Griechen gut und lang genug, um zu wissen, dass eine solche Aussage mindestens so verbindlich war wie ein mit Blut besiegelter Pakt mit dem Teufel.

„Wohin genau führt uns die Reise?“, fragte Prof. Dehli.

Alfons grinste verschmitzt. „Auf eine Insel! Ron und ich haben vereinbart, ihren Namen bis zum Tag der Abreise für uns zu behalten, um die Spannung zu wahren. Aber was die Planung der Garderobe betrifft...“ Er zeigte amüsiert auf die Transportbox mit dem Eulenfalter. „Kleidung für subtropische Regionen ist ein ganz heißer Tipp! Ein Regenschutz wäre bestimmt auch kein Fehler. Um die Campingausrüstung wie Zelte, Schlafsäcke etc. kümmere ich mich.“

„Wie sieht es mit Impfungen aus?“, wollte Tobi wissen.

„Haben wir jemanden im Team, der noch nicht gegen Hepatitis geimpft ist?“, stellte Alfons die Gegenfrage.

Kollektives Kopfschütteln.

„Gut, damit können wir auch diesen Punkt als erledigt abhaken.“

„Heißt Insel auch Bademöglichkeit?“, fragte Tobi.

„Handtuch, Badehose und Sonnenöl“, bestätigte Claudia.

„Also nicht nur Schmetterlinge fangen, sondern auch ein wenig Badeurlaub?“ So langsam dämmerte Tobi, dass es kein Erwachen aus dem Traum geben würde.

„Was immer Sie daraus machen, Tobi!“ Alfons Laune besserte sich mit jeder Minute. „Ich bin sicher, wir werden jede Menge Spaß auf der Insel haben.“

„Jede Menge Spaß!“ Tobi hob sein Glas. „Trinken wir auf Alfons, den Besten von allen!“

„Auf Alfons!“

Auch Ron stimmte in den Jubel der anderen ein. Gleichzeitig registrierte er ganz weit hinten in seinem Kopf eine ängstliche Stimme. Sie betete dafür, dass Alfons Bedminster recht behalten würde.